01 · Messwerte manuell in Excel
Die Ergebnisse der 100-Prozent-Kontrolle werden noch immer per Hand aus den Prüfprotokollen in Excel-Tabellen übertragen. Jeder Zahlendreher ist ein potenzielles Reklamationsrisiko und untergräbt die Rückverfolgbarkeit. Bei Serienlieferungen summieren sich hunderte Einzelwerte pro Charge. Sasse weiß, dass genau hier die gefährlichsten, weil unsichtbaren Fehler entstehen. Ein verlässlicher Weg, Messwerte fehlerfrei zu digitalisieren, wäre ihr größter Hebel.
02 · PDF-Chaos bei Materialzertifikaten
Die Materialzertifikate der Stahllieferanten kommen als PDF in unterschiedlichsten Formaten und müssen gegen die Bestellanforderung geprüft und archiviert werden. Werkstoff, Charge und Prüfwerte stehen bei jedem Lieferanten an anderer Stelle. Das Abgleichen kostet Zeit, und ein übersehener Abweichungswert kann bis in die fertige Radmutter durchschlagen. Die Ablage ist historisch gewachsen und schwer durchsuchbar. Bei einem Audit muss aber jedes Zertifikat in Minuten auffindbar sein.
03 · 8D-Reports quälen alle
Jede Reklamation läuft über einen 8D-Report, doch es gibt keinen sauberen Standardprozess. Jede Kunden-Mail klingt anders, und das Zusammentragen von Ursache, Sofortmaßnahme und Abstellmaßnahme zieht sich über Tage. Die Fachabteilungen liefern Rohdaten in unterschiedlicher Qualität, die Sasse mühsam zu einem stimmigen Bericht verdichtet. Bis der Report beim Kunden ist, brennt es an drei anderen Stellen. Ein strukturierter Berichtsentwurf aus den Rohdaten würde den Druck deutlich senken.
04 · Rückverfolgbarkeit unter Zeitdruck
Bei Express-Aufträgen für Kunden wie Velox Racing muss ein Teil binnen Stunden gefertigt, geprüft und dokumentiert werden. Die Prüfpflicht darf trotzdem nicht leiden — gerade am Wochenende, wenn weniger Leute da sind. Sasse steht im Spannungsfeld zwischen Tempo und lückenloser Dokumentation. Wenn die Nachweiskette reißt, ist das Teil formal nicht lieferbar, egal wie perfekt es gefertigt wurde. Sie braucht Prüfabläufe, die auch unter Zeitdruck belastbar bleiben.
05 · Wiederkehrende Fehler nicht erkannt
Reklamationen und interne Ausschüsse werden zwar einzeln bearbeitet, aber selten systematisch verglichen. So bleibt oft unentdeckt, dass sich derselbe Fehler an ähnlichen Teilen wiederholt. Das Wissen steckt in Köpfen und verstreuten Dokumenten statt in einer auswertbaren Übersicht. Sasse fehlt der Blick auf Muster über Monate und Bauteilfamilien hinweg. Ein Wissensspeicher, der frühere Prüf- und Reklamationsfälle durchsuchbar macht, wäre für die Fehlervermeidung Gold wert.
06 · Skepsis gegen Blackbox-Automatisierung
Sasse begrüßt Entlastung durch Hermes, misstraut aber jeder Automatisierung, die Ergebnisse ohne Beleg liefert. In der QS zählt nicht das Resultat allein, sondern der nachvollziehbare Weg dorthin — jeder Wert muss gegenprüfbar sein. Sie fürchtet, dass unter Zeitdruck ungeprüfte KI-Ausgaben in Prüfprotokolle wandern. Deshalb besteht sie darauf, dass Hermes seine Quellen und Zwischenschritte offenlegt. Erst wenn die Maschine ihre Arbeit belegt, vertraut sie ihr sicherheitsrelevante Aufgaben an.